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03.11.2017

Jubiläumsjahr mit Veranstaltungen und Kommunikations-Kampagne
„Demokratie erkämpfen. Demokratie leben.“ – mit diesem Slogan begeht die Landeshauptstadt Kiel gemeinsam mit vielen Partnern 2018 das 100. Jubiläum des Kieler Matrosenaufstandes. Während des gesamten Jahres sind zahlreiche wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen zum Thema geplant, darunter eine umfangreiche Sonderausstellung im Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum. Zudem sollen alle Kielerinnen und Kieler unter dem Motto „Aufstehen“ motiviert werden, Einsatz für Demokratie und Freiheit zu zeigen.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer blickt mit Spannung und Vorfreude auf das Jubiläumsjahr: „Der Kieler Matrosenaufstand ist ein Ereignis von nationalgeschichtlicher Bedeutung. Er ebnete den Weg zur ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Im kommenden Jahr wollen wir der mutigen Matrosen, Arbeiterinnen und Arbeiter gedenken, die für eine friedlichere und freiheitlichere Gesellschaft aufgestanden sind. Gleichzeitig wollen wir herausfinden, welche Bedeutung das ‚Aufstehen‘ heute noch hat. Ich lade alle Kielerinnen und Kieler herzlich ein, uns dabei zu unterstützen“.

Kiels Kulturdezernent Wolfgang Röttgers ergänzt: „Mit den 100-Jahr-Feierlichkeiten rückt Kiel im kommenden Jahr deutschlandweit in den Fokus der Öffentlichkeit. Gemeinsam mit vielen weiteren Beteiligten haben wir ein spannendes und abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt. Ich bin mir sicher, dass wir damit viele Menschen erreichen – von der Geschichtswissenschaftlerin über den Hobbyhistoriker bis zu den Theaterfreunden.“

Zu den Höhepunkten des Jubiläumsprogramms zählt die Sonderausstellung „Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918“, die vom 6. Mai 1918 bis zum 3. März 2019 im Kieler Schifffahrtsmuseum Fischhalle zu sehen sein wird. Die Stadtgalerie Kiel präsentiert ebenfalls eine thematisch passende Ausstellung unter dem Arbeitstitel „There is nothing much left to say with the mouth. Revolution heute!“ (September bis Dezember 2018). 

Zur zentralen Erinnerungsveranstaltung an den Matrosenaufstand am 3. November 2018 wird unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kiel erwartet. Am 9. November – dem Jahrestag der Ausrufung der Weimarer Republik – findet die traditionelle Kranzniederlegung am Revolutionsdenkmal im Ratsdienergarten statt. 

Das Theater Kiel beteiligt sich mit verschiedenen Produktionen am Veranstaltungsprogramm. Am 3. November 2018 feiert die Oper „Falscher Verrat“ Premiere, die sich mit den Kieler Ereignissen von 1918 beschäftigt. Zudem ist eine Wiederaufnahme des Stücks „1918“ von Robert Habeck und Andrea Paluch als großes Stationendrama im Stadtraum geplant. Die Niederdeutsche Bühne Kiel wird eine niederdeutsche Bearbeitung von „1918“ präsentieren. 

Die Revolution von 1918 ist auch Gegenstand einer Ringvorlesung der Abteilung für Regionalgeschichte am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität im Herbst 2018. Der Historiker Dr. Martin Rackwitz arbeitet die Geschehnisse in seinem Buch „Novemberrevolution 1918. Der Kieler Aufbruch zur Republik und Demokratie“ auf, das im März 2018 erscheint. Auch zur Sonderausstellung im Schifffahrtsmuseum ist eine Begleitpublikation geplant.

Im November 2018 feiert der Film „Novembersturm“ seine Premiere. Das Dokudrama des Regisseurs und Grimme-Preisträgers Jens Becker ist eine gemeinsame Produktion von NDR und Arte und wurde unter anderem in Kiel, Flensburg und Schönberg gedreht. Bereits im Januar gibt Nordbrief eine 65-Cent-Sondermarke zum Matrosenaufstand heraus.

„Kiel steht auf“: Das Kommunikations- und Marketingkonzept
Das Programm des Jubiläumsjahres wird von einer großen Anzahl Kieler Institutionen und Personen getragen. Gemeinsam mit den Kieler Agenturen gk Public Relations und boy wurden der Slogan „100 Jahre Kieler Matrosenaufstand. Demokratie erkämpfen. Demokratie leben.“ und ein passendes Logo entwickelt. 

Ebenfalls mit der Agentur boy hat die Landeshauptstadt Kiel ein umfangreiches Öffentlichkeits-Konzept erarbeitet, um das Thema Matrosenaufstand im Jubiläumsjahr im ganzen Stadtgebiet sicht- und erlebbar zu machen. 

Dabei wird der Fokus über den historischen und informativen Rahmen hinaus besonders auf die Gegenwart gelegt: Was bedeutet „Aufstehen“ in der heutigen Zeit? Wer steht wofür auf? Kann „Aufstehen“ zum Wort für ein aktuell entstehendes Lebensgefühl und zu einer Partizipationskultur in Kiel werden?

Verschiedene Postkarten- und Plakatkampagnen im Illustrationsstil und in der Farbigkeit der 1910er und 1920er Jahre sowie Aktionen und Dialogmöglichkeiten sollen die Kielerinnen und Kieler im Laufe des Jahres dazu animieren, sich Gedanken zu machen, wofür es sich lohnt, auch 100 Jahre nach den revolutionären Ereignissen von Kiel aufzustehen und sich einzusetzen. 

Alle Informationen zum Veranstaltungsprogramm rund um das Jubiläumsjahr und zur Kampagne „Kiel steht auf“ sowie eine umfangreiche Chronik der Ereignisse von 1918 sind im Internet unter www.kiel.de/matrosenaufstand zu finden.

Der Kieler Matrosenaufstand – was geschah im November 1918?
Der Kieler Matrosenaufstand ist ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert.Im Oktober 1918 war der Erste Weltkrieg für das deutsche Kaiserreich militärisch verloren. Trotzdem entschied die Seekriegsleitung eigenmächtig, die in Wilhelmshaven liegende Hochseeflotte zu einer letzten Seeschlacht gegen die britische Flotte auslaufen zu lassen, obwohl dieser Einsatz das Kriegsgeschehen nicht mehr beeinflussen und mit dem Untergang der Flotte enden würde. Für die Offiziere war es „eine Ehren- und Existenzfrage der Marine“.

In Wilhelmshaven leisteten Teile der Flottenbesatzungen schon Ende Oktober Widerstand, um das Auslaufen der Schiffe zu verhindern. Bereits seit 1917 war das Vertrauen in die Militärführung verloren gegangen. Es hatte Befehlsverweigerungen gegeben wegen des eintönigen Dienstbetriebes, der schlechten Verpflegung und der als ungerecht empfundenen Behandlung durch die Offiziere.

Vizeadmiral Hugo Kraft setzte sich dafür ein, dass die Schiffe des III. Geschwaders in den Heimathafen Kiel auslaufen sollten, mit der Hoffnung, hier werde sich die Besatzung beruhigen. Kiel war seit 1871 Reichskriegshafen und daher Stadt der Marine und der Werften. 1918 gab es in Kiel 50.000 Marineangehörige und 70.000 Arbeiter, von denen die Hälfte auf den Werften beschäftigt war.

In der Nacht zum 1. November liefen die Schiffe mit über 5.000 Mann Besatzung in den Kieler Hafen ein. Vorher waren 47 Matrosen als Anführer der Meuterei festgenommen worden. Noch am Abend des Tages trafen sich 250 Matrosen im Gewerkschaftshaus, um über Hilfe für die Inhaftierten zu beraten. Inzwischen hatten weitere Marineangehörige an Bord und an Land sowie Mitglieder der MSPD, USPD und der Gewerkschaften von den Ereignissen erfahren.

Am 2. November sammelten sich 500 Personen vor dem Gewerkschaftshaus und zogen durch die gesamte Stadt. Für den 3. November wurde zu einer Großdemonstration aufgerufen, die auf dem Exerzierplatz begann. Die Demonstranten forderten die Freilassung der Gefangenen und „die Beendigung des Krieges, Frieden, Freiheit, Brot“. 

Der Demonstrationszug erbeutete Gewehre und stieß schließlich an der Brunswiker Straße auf einen Zug von etwa 30 Mann der Ausbildungs-Kompanie der Torpedo-Division, der die Straße sperrte. Im Schusswechsel starben sieben Demonstranten. Das Blutvergießen löste große Empörung und eine Welle der Solidarität aus.

Die Unzufriedenheit ergriff am 4. November die Landmarine. Die Torpedo-Division und die U-Boot-Division schlossen sich den Aufständischen an, ebenso Arbeiter der Germaniawerft und der Torpedowerkstatt Friedrichsort. In der Kaserne in der Wik forderten die Matrosen ihren Kommandeur auf, auch ihre politischen Forderungen an den Gouverneur weiterzuleiten, darunter die Abdankung der Hohenzollern, die Freilassung aller politischen Gefangenen und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für beide Geschlechter.

Für den 5. November wurde der Generalstreik ausgerufen. Die Meuterei der Matrosen hatte sich zu einer politischen Massenbewegung ausgeweitet. Kaum eine Kompanie in Kiel war noch intakt und befolgte die Befehle der Vorgesetzten.

In dieser Situation sah sich die Militärführung gezwungen, mit den Aufständischen zu verhandeln. Nach Gesprächen mit einer Delegation von Matrosen und Arbeiterparteien ließ Gouverneur Wilhelm Souchon die inhaftierten Matrosenführer des III. Geschwaders frei. Um zwischen Militärführung und Demonstranten zu vermitteln, trafen am 4. November Staatssekretär Conrad Haußmann und der SPD-Abgeordnete Gustav Noske in Kiel ein.

In der Nacht zum 5. November bildeten die Soldaten einen Soldatenrat, die Arbeiter einen Arbeiterrat. Damit übernahmen die Aufständischen die Organisationsform der Russischen Revolution von 1917. Am Morgen des 5. November setzten alle Schiffe die rote Fahne, das Symbol der Räte, anstelle der Kriegsflagge. Gustav Noske ließ sich zum Vorsitzenden des Soldatenrates wählen mit dem Hinweis, „dass die Bewegung von fester Hand geleitet werden“ müsse.

Bereits am 3. und 4. November hatten Matrosen die Stadt verlassen und berichteten von den Kieler Ereignissen, ebenso die Presse. In der Folge entstanden am 5. und 6. November in den norddeutschen Küstenstädten Arbeiter- und Soldatenräte, im Binnenland am 7. November.

Einen Tag später rief Kurt Eisner in München die Republik aus. Am 9. November erfasste die Revolution schließlich Berlin und der Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. wurde bekannt gegeben. Gegen Mittag verkündete der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstagsgebäudes die Republik: „Das alte und morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik!“ www.kiel.de/matrosenaufstand

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